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09. / 10. September 2021:
Fachtagung an der Carl-von Ossietzky Universität Oldenburg

Berufliche Orientierung oder Career Guidance?

Praxisnahe Perspektiven für die Zusammenarbeit der Akteure

Zugleich 65. Jubiläum des Deutschen Verbands für Bildungs- und Berufsberatung e. V. (dbv)

Call for Papers

Hintergrund und Zielsetzung der Fachtagung:

Zeitgemäße Berufliche Orientierung kann als lebensbegleitender Prozess definiert werden, in welchem ein stetiger Austausch und Abgleich zwischen dem Individuum auf der einen und der Arbeitswelt auf der anderen Seite vollzogen wird. Insofern ist der Orientierungsprozess nicht ein einmaliger Vorgang, der nach dem Eintritt in eine nachschulische Lebensphase beendet ist. Erwerbstätige wechseln ihren Beruf oder schaffen sich in unternehmerischer Selbstständigkeit ihr eigenes berufliches Umfeld; sie entwickeln ihren Arbeitsplatz sowie ihr Verhältnis zu Arbeit und Leben ständig weiter. Deshalb geht es nicht nur um die Passung zwischen Person und beruflicher Wahlalternative, sondern immer auch um die eigene Gestaltung der beruflichen Biographie. Die Praxisrelevanz ist in Deutschland u. a. an der Einführung der lebensbegleitenden Berufsberatung durch die Bundesagentur für Arbeit ersichtlich. Es liegt auf der Hand, dass vor diesem Hintergrund ein neues Verständnis des Begriffs Berufs- und Bildungsberatung sinnvoll ist, das sich an dem umfassenderen internationalen Begriff der „Career Guidance“ orientiert:

„Career Guidance [i.S.v. Beruflicher Orientierung] kann vielfältige Formen annehmen und stützt sich auf verschiedene theoretische Traditionen. Im Kern aber ist sie eine zielgerichtete Lernmöglichkeit, die Einzelpersonen und Gruppen dabei unterstützt, Arbeit, Leben und Lernen im Lichte neuer Informationen und Erfahrungen wieder und wieder zu überdenken und daraus sowohl individuelles als auch kollektives Handeln abzuleiten.“[1]

Eine zweite Betrachtungsebene für die Fachtagung sind die multiprofessionellen Beratungsteams. Die schulische Berufliche Orientierung wurde in den letzten Jahren bundesweit deutlich ausgebaut. Es wurden neue berufs- und studienorientierende Maßnahmen (z. B. Potenzialanalysen und Portfolios) eingeführt; außerdem sind zunehmend inklusive Anforderungen zu berücksichtigen. Obgleich die Schule bei der Begleitung der Jugendlichen einen zentralen Stellenwert einnimmt, ist sie nicht der einzige Akteur im beruflichen Orientierungsprozess. Neben den Eltern, den Peers oder Unternehmen bzw. Hochschulen nehmen beratende Institutionen eine wesentliche Funktion ein. Da Jugendliche diese ersten Entscheidungen als richtungsweisend für ihr ganzes Leben empfinden, erleben sie oftmals eine große Unsicherheit. Dadurch gewinnen Beratungen und Absicherungsschleifen im Orientierungsprozess große Bedeutung. Im Hinblick auf die Schul-, Hochschul- und Ausbildungslaufbahn eines Jugendlichen können die begleitenden Akteure jedoch nur dann effektiv wirken, wenn sie konstruktiv zusammenarbeiten. Dabei bringt jede Profession wichtige Kompetenzen in den Orientierungsprozess ein, die gut abgestimmt einen unterstützenden Beitrag leisten können. Insbesondere sind Beratungs- und Diagnosekompetenzen verschiedener Akteure (bspw. Lehrpersonen, Berufsberater*innen, Sozialpädagog*innen) von zentraler Bedeutung und sollten daher transparent und koordiniert zusammengeführt werden.  

Die Fachtagung ist eine gemeinsame Veranstaltung des Deutschen Verbands für Bildungs- und Berufsberatung e. V. (dvb), des Instituts für Ökonomische Bildung an der Universität Oldenburg (IÖB) und der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit (HdBA). Sie widmet sich neuen Konzepten und Methoden, die die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure systematisieren und zugleich die Umsetzung von Career Guidance zur Diskussion stellen. Es ist zugleich die Jahrestagung zum 65jährigen Bestehen des dvb.

Zielgruppen der Fachtagung:

Die Fachtagung richtet sich an alle Personen aus Praxis und Wissenschaft, die sich mit Beruflicher Orientierung beschäftigen bzw. dazu forschen.

Hierzu zählen z.B.

Thematische Schwerpunkte:

Mögliche Fragestellungen bzw. thematische Anknüpfungspunkte orientieren sich an den folgenden Bereichen, die sowohl einen theoretisch-konzeptionellen als auch empirischen Ansatz verfolgen können:

Wenn möglich, ist ein Praxisbezug wünschenswert.

Einreichung von Beiträgen:

Wir laden Sie ein, sich an der inhaltlichen Ausgestaltung der Fachtagung aktiv zu beteiligen. Für die Beteiligung können die folgenden Formate ausgewählt werden:

Die Beschreibung des Beitrags sollte 2.000 Zeichen inkl. Leerzeichen nicht überschreiten. Senden Sie Ihr Abstract bitte bis zum 28. Februar 2021 an die folgende E-Mail-Adresse:  
tagung-berufsorientierung@dvb-fachverband.de

Wir informieren Sie im Frühjahr 2021, ob Ihr Beitrag angenommen wurde.

Abhängig vom weiteren Verlauf der Pandemie kann die Tagung in verschiedenen Settings stattfinden. Derzeit planen wir eine Hybridform aus Präsenzveranstaltungen, zu denen online weitere Teilnehmende und Beitragende zugeschaltet werden.

Im Nachgang der Tagung ist ein Sammelband geplant, in dem die angenommenen Beiträge publiziert werden. Nähere Informationen hierzu teilen wir Ihnen spätestens zur Tagung im September 2021 mit.

Wir freuen uns auf Ihre Beiträge!

dvb-Bildmarke (Deutscher Verband für Bildungs- und Berufsberatung e.V.)

Rainer Thiel
Bundesvorsitzender des Deutschen Verbandes für Bildungs- und Berufsberatung e. V.

Prof. Dr. Rudolf Schröder
Professor mit dem Schwerpunkt Berufliche Orientierung am Institut für Ökonomische Bildung an der Universität Oldenburg

Prof. Dr. Bernd-Joachim Ertelt
Professor für Wirtschaftspädagogik und Beratungswissenschaften an der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit


[1] Quelle: T. Hooley, R.G. Sultana & R. Thomsen (2017) The neoliberal challenge to career guidance – mobilizing research, policy and practice around social justice. In: T. Hooley, R.G. Sultana & R. Thomsen (Hrsg.): Career guidance for social justice: Contesting neoliberalism. London: Routledge.