Josephine-Levy-Rathenau-Preis

Ein Nachwuchspreis zur Beratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung

Der Deutsche Verband für Bildungs- und Berufsberatung e.V. lobt gemeinsam mit seinem langjährigen Publikationspartner wbv Media einen Nachwuchspreis für die Beratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung aus. Der Preis soll der Professionalisierung der Beratung dienen, der Beratungswissenschaft und -praxis eine größere Sichtbarkeit verschaffen und den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis vertiefen.

Gleichzeitig wird so die Möglichkeit geschaffen, praxisrelevante Master-Abschlussarbeiten durch eine Veröffentlichung unter Open Access für einen größeren Kreis von Leser*innen zugänglich zu machen.

Benannt wird der Preis nach Josephine Levy-Rathenau (1877-1921), einer Begründerin der Berufsberatung und der Erwachsenenbildung in Deutschland, die sich insbesondere für Frauen eingesetzt hat. Wer sich näher für die Namensgeberin interessiert, findet eine umfassende Literaturübersicht auf Wikipedia.

Im September 2021 wurde der Preis zum ersten Mal auf der Jahrestagung des dvb an eine Absolvent*in vergeben.

Preisträgerin 2021: Marie Dietrich, Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Aus der Laudatio von Dr. Ingo Blaich, Jury-Vorsitzender des Josephine-Levy-Rathenau-Preises:

Thema der in diesem Jahr ausgezeichnete Arbeit ist die berufliche Orientierung im Hochschulstudium vor dem Übergang in die Erwerbsarbeit. Die Passung der Arbeit zum Thema der diesjährigen Tagung „Berufliche Orientierung oder Career Guidance?“ ist dabei ein glücklicher und willkommener Zufall. Für die Beurteilung der eingereichten Arbeiten spielte dies allerdings keine Rolle. Die Jury hat für die Bewertung ein Punktesystem entwickelt, mit dem die theoretische Fundierung, die Methodik, der Praxisbezug, die Innovativität sowie die Publikationsfähigkeit der einzelnen Arbeiten eingeschätzt wurden.

Die preiswürdige Arbeit mit dem Titel „Studierende im Übergang von Studium in den Beruf begleiten. Das Potenzial von Design Thinking und konstruktivistischer Erwachsenenbildung als Beratungskonzept am Beispiel ‚Life & Vision‘“ adressiert den Übergang vom Studium in den Beruf, genauer die Ausbildung beruflicher Ideen und Zielvorstellungen, was sich, so die aus der Forschung gut belegte Prämisse der Autorin, nicht aus der Vermittlung von Fachwissen und Fachkompetenzen allein ergibt. Eine systematische Auseinandersetzung mit den eigenen Stärken und das Formulieren beruflicher wie privater Ziele ist üblicherweise kein Gegenstand der Studiencurricula. Um hier Unterstützung leisten zu können, haben sich an Hochschulen und Universitäten Beratungsangebote z. B. in Form des Career Service etabliert.

In diesen Kontext ist der Gegenstand der Masterarbeit einzuordnen; ein an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz konzipierter und mehrfach angebotener Workshop mit dem Namen „Life & Vision“, an dessen Entwicklung und Durchführung die Preisträgerin mitgewirkt hat. In ihrer Masterarbeit erläutert sie die theoretische Fundierung des Workshops in der konstruktivistischen Erwachsenenbildung und der Design-Thinking-Methode. Dies fügt sich gut in aktuelle, der Veränderlichkeit von Berufsverläufen Rechnung tragende Theorien der beruflichen Entwicklung – wie Career Construction/Life Designing – ein.

V.l.n.r.: Dr. Ingo Blaich, Jury-Vorsitzender, Marie Dietrich, Preisträgerin, Rainer Thiel, Bundesvorsitzender des dvb

Unter Rückgriff auf Evaluationsergebnisse und eine qualitative Nachbefragung der Workshopteilnehmer:innen liefert die Arbeit im zweiten Teil eine empirisch gesättigte Einschätzung der Effektivität des Workshopformats. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage nach der nachhaltigen Wirkung der Workshopteilnahme auf die „zukünftige berufliche Lebensgestaltung und Bewältigung des Übergangsprozesses vom Studium in den Beruf“.

In den Augen der Jury besticht dieser Teil durch eine gute methodologische Einbettung, gründliche Ausarbeitung der qualitativen Befragung und Auswertung des erhobenen Datenmaterials sowie die kritische Reflexion über die Leistungsfähigkeit aber auch die Grenzen des untersuchten Formats.

Die Arbeit schließt mit sehr ausführlichen und leicht aufzugreifenden Überlegungen, wie dieses Konzept auch für andere berufliche bzw. biografische Übergänge – insbesondere für die berufliche Orientierung von Schülerinnen und Schüler – fruchtbar gemacht werden kann. Da die Anfertigung der Arbeit bis in den Beginn der Corona-Pandemie fiel, enthält sie auch wertvolle Überlegungen zur Entwicklung einer Blended Learning-Variante des Workshops, um ihn als digitale Veranstaltung durchführen zu können.

Die Arbeit unterstreicht die Relevanz von Unterstützungsstrukturen für die berufliche Orientierung an den Hochschulen und weist mit den umfangreichen, abschließenden Erläuterungen zum Transfer des Konzepts auf andere Zielgruppen einen hohen Praxisbezug und starke Relevanz für professionelle Beraterinnen und Berater auf. Damit empfiehlt sie sich auch nachdrücklich für die Publikation in der Reihe dvb-Skript.

Wir freuen uns, diese Arbeit mit dem Josephine Levy-Rathenau-Preis auszeichnen zu können!

Call for Papers 2022

Der Call for Papers geht an deutschsprachige Institutionen, die Studienangebote mit relevanten fachlichen Anteilen umfassen. Einreichungsschluss für Abschlussarbeiten aus 2021 ist der 31.01.2022.

Foto aus: Max Levy (Hrsg.): Josephine Levy-Rathenau zum Gedächtnis. Berlin 1921. Fotograf unbekannt.

Ausgelobt von: