dvb-Script

dvb-Script 2/2020 – Monographie

Diskontinuitäten und Krisen im (Erwerbs-)Lebenslauf von Beratungsfachkräften als Einfluss auf die Beratungshaltung und -kommunikation in der beschäftigungsorientierten Beratung erwachsener Ratsuchender

Isabelle Hillenberg, Hochschule der Bundesagentur für Arbeit

Abstract
Innerhalb der beschäftigungsorientierten Beratung bilden Erwerbslebensläufe ratsuchender Personen die Basis der auszuhandelnden Ziele zur Integration in Arbeit. Da Erwerbslebensläufe und Lebensverläufe fortlaufend miteinander verknüpft sind, werden Berater*innen unmittelbar mit den individuellen Lebenssituationen der Ratsuchenden konfrontiert. Zur Einschätzung bzw. Beurteilung des Gegenübers agieren die Beratungsfachkräfte unter Zuhilfenahme ihres persönlichen alltagsweltlichen Lebensverständnisses, welches in ihren persönlichen Lebens- und Berufserfahrungen begründet ist und somit Beratungshaltung und -kommunikation beeinflusst. Eine Professionalisierung dieser „Alltagspädagogik“ wird nötig, wenn das Beratungsergebnis aufgrund subjektiver Beurteilungskriterien der Beratungsfachkräfte für Ratsuchende nachteilig ausfällt. Hierbei spielen Einflüsse auf die Beratungshaltung und -kommunikation eine Rolle, welche aufgrund prägender Ereignisse und Erlebnisse im (Erwerbs-)Lebenslauf der Beratungsfachkräfte ihren Ursprung finden.
Im theoretischen Teil dieser Arbeit werden Diskontinuitäten und Krisen als prägende Ereignisse im Lebensverlauf sowie Einflüsse auf die Beratungshaltung und -kommunikation aus dem psychoanalytischen Forschungsbereich vorgestellt. Die nötige Betrachtung psychoanalytisch definierter Einflussfaktoren (Übertragung, Gegenübertragung, Projektion, Empathie) innerhalb der beschäftigungsorientierten Beratung wird hierbei im Hinblick auf den Professionalisierungsgedanken der erwähnten Alltagstheorien relevant.
Die qualitativ erhobenen Untersuchungsergebnisse dieser Arbeit bilden die genannten Einflussfaktoren im Beratungsgeschehen ab und veranschaulichen deren Auswirkungen auf die empathischen Kompetenzen der Beratungsfachkräfte. Echtes empathisches Handeln tritt hierbei als zu fördernde Schlüsselkompetenz hervor, die eine Professionalisierung alltagspädagogischer Kompetenzen ermöglicht.

dvb-Script 1/2020 – Monographie

Kenntnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen von Beratenden in Bildung, Beruf und Beschäftigung in Deutschland – Relevanz und Weiterbildungsbedarf

Carolin Kleeberg, Universität Leipzig

Abstract
Themen wie Digitalisierung, Migration und Flucht, Wertewandel, Globalisierung oder demografischer Wandel machen Beratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung immer komplexer und mit ihnen steigen auch die Anforderungen an die Kenntnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen der Beratenden. Wie ist es also um die Bewältigung dieser Herausforderungen aus Beratendensicht bestellt? Diese Arbeit stellt Ergebnisse einer deutschlandweiten Online-Befragung von Beratenden des Feldes vor und untersucht mit Fokus auf die Selbsteinschätzung zu empfohlenen Kenntnissen, Fähigkeiten und Kompetenzen für professionelle Beratung, die Handlungssicherheit der Beratenden. Die Ergebnisse können Anhaltspunkte für die bedarfsgerechte (Weiter-)Entwicklung beratungsspezifischer Weiterbildungsangebote liefern.

dvb-Script 2/2019

Wirksamkeit der Berufs- und Bildungsberatung zur Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen

Peter Weber, Rebeca Garcia-Murias, Hochschule der Bundesagentur für Arbeit (HdBA)

Abstract
Berufs- und Bildungsberatung greift heute auf eine vielschichtige Theoriebasis zurück und reflektiert Praxiserfahrungen umfangreich. Die begleitende Wirkungsforschung ist dabei nicht in gleichem Maße Grundlage für die Bildungs- und Berufsberatung. Wertet man die Publika­tionen im Feld der Beratung aus, so zeigt sich, dass nur ein kleiner Teil der aktuellen Forschung der empirischen Wirkungsforschung zuzurechnen ist.
Das Projekt Keywey zielt darauf ab, Beratende und Beratungsanbieter in die Lage zu versetzen, ihre Beratungsangebote auf der Basis fundierter Indikatoren und in Bezug auf deren Wirkung zu erfassen und zu evaluieren.

Der vorliegende Beitrag gliedert sich in drei Teile. Im ersten Abschnitt werden knapp einige Grundannahmen und Grundbegriffe zur Wirkungs­­evaluation vorgestellt. Der zweite Abschnitt stellt das „Keyway Indikatoren­modell“ vor und regt den/die Leser*in dazu an, die eigenen Wirkungsannahmen der Beratung in Bezug zu solchen Messgrößen zu bringen. Der dritte Abschnitt formuliert ein Beispiel zur Wirkungserfassung der Beratung von abbruch­gefährdeten Jugendlichen in der dualen Ausbildung. Hierfür werden exem­plarische Indi­ka­toren beschrieben, um die Anwend­barkeit des Modells zu illustrieren. Der Ausblick formuliert eine Einladung, die Projekt­ergebnisse zu nutzen und mit den Projekt­partnern in Kontakt zu treten.

dvb-Script 1/2019

Authentische Berufsorientierung – Jenseits von „Career Management Skills“

Ronald G. Sultana, Universität Malta

Abstract
Dieses Papier befasst sich mit der schulischen Berufsvorbereitung und untersucht, wie diese so konzipiert werden kann, dass sie zum Gedei­hen und Wohlbefinden der Schüler*innen in einer Demokratie beiträgt. Zunächst bietet es einen Überblick über die jüngsten Entwicklungen im Bereich „Career Learning“ weltweit und weist auf die zunehmende Bedeutung hin, die diesen als Beitrag zur Verbesserung der Wettbewerbs­fähigkeit in wissensbasierten Volkswirt­schaften beigemessen wird. Der Beitrag ver­deutlicht, warum eine zentrale Rolle der Arbeit im Lehr­plan gerechtfertigt ist: Trotz bedeu­tender gesellschaftlicher und technologischer Verän­derungen, die eine „Post-Arbeits­gesell­schaft“ vorhersagen, behält „sinnvolle Arbeit“ ihre Bedeutung als Quelle der Erfüllung und des Wohlbefindens sowie als Kennzeichen für ein gelingendes Leben.

Ein Großteil der in neoliberalen Volks­wirt­schaften verfügbaren Arbeit ist jedoch zuneh­mend die Ursache von Leiden, Not, Aus­beutung und Missbrauch. Es werden Argu­mente für eine glaubwürdige Berufsorientie­rung vorgebracht, die den Schüler*innen hilft, das Wesen sinnvoller Arbeit zu verstehen, danach zu streben und die Ursachen zu entschlüsseln, die den Zugang zu dieser Arbeit behindern. Es wird dargelegt, dass glaubwürdige Berufs­vor­bereitung – wie alle aufklärerischen Unterneh­mungen – die intellek­tuellen Werkzeuge zur Verfügung stellen und zu moralischer Ent­schlossenheit ermutigen sollte, sich sozial gerechtere und erfüllendere Formen des Zusammenlebens vorzustellen und ein Maß an individueller und kollektiver Kontrolle über die Kräfte zu erlangen, die das Leben formen.

Manuskriptvorschläge für eine Veröffentlichung als dvb-Script senden Sie bitte zur Begutachtung an die Fachgruppe Forschungsforum: